Schwebend in den Zoo fahren – das gibt es nur in Wuppertal

Gepostet von Hans-Jürgen Rohe, 17.03.2020 09:26:59

Nach den ausgiebigen Regenfällen wurde es mal wieder höchste Zeit für einen größeren Ausflug. Dafür habe ich den Besuch des „grünen Zoos“ in Wuppertal ausgewählt, der schon seit längerem auf meiner Wunschliste stand. Selbstverständlich kam bei der Anreise zum Zoo nur ein Fortbewegungsmittel in Betracht – das Wahrzeichen der Stadt – die Schwebebahn.

Hans-Jürgen im Wuppertaler Zoo

Man muss sich jedoch im Vorfeld klar werden, die topographische Lage von Wuppertal stellt für den Rollstuhlfahrer einige Herausforderungen dar. Ohne elektrische Unterstützung, entweder in Form von Greifreifenantrieben oder Schiebehilfen ist dieser Ausflug meines Erachtens nicht zu schaffen. Von einem Besuch mit ausschließlich manueller Ausstattung rate ich daher ab. Dies lege ich euch besonders ans Herz, schließlich soll der Ausflug ja Spaß machen und nicht zu einer extremen sportlichen Herausforderung werden. Sind diese Voraussetzungen erfüllt, steht einem großartigen Erlebnis allerdings nichts im Wege.

SchwebebahnDie Nutzung der Schwebebahn erfordert direkt zu Beginn ein Umdenken der sonst üblichen Vorgehensweise, es ist immer ein Aufzug erforderlich, um die Einstiegsebene zu erreichen. Der Aufzug befindet sich unweit vom Ausgang des Bahnhofs auf der linken Seite. Bei Erreichen des Plateaus folgt die nächste Überraschung. Piktogramme auf dem Boden weisen auf die Einstiegszone speziell für Rollstuhlfahrer und Kinderwagen hin. Der Einstieg erfolgt mittels Rampe, die durch den sehr hilfsbereiten Zugführer betätigt wird. Absolut vorbildlich, ein großes Lob an dieser Stelle an die Wuppertaler Stadtwerke. Das habe ich auf meinen Reisen auch schon ganz anders erlebt.

An der Haltestelle Zoo/Stadion verlassen wir die Schwebebahn, folgen der Beschilderung und bewältigen die erste Bergetappe bis zum Zoo. Direkt beim Eintritt empfiehlt es sich den Zooplan zu erwerben. Der Rundweg ist zwar durch orangene Hinweistafeln durchgängig ausgeschildert, jedoch wurde ich öfters durch spontane Fotomotive abgelenkt und zur neuen Orientierung wäre der Plan bereits zu Beginn sehr hilfreich gewesen. Man lernt nie aus, denn 240.000 m² Fläche mit ca. 4.000 Tieren auf 51 Stationen verteilt, sind schon eine Herausforderung - da kann leicht etwas übersehen werden.

EisbärAber von Anfang an… Direkt in Eingangsnähe stellt man fest, dass sich auch ein älterer Zoo ständig erneuert, aktuell entsteht dort die Anlage Aralandia, eine Riesenflughalle, in der laut Plan zu Ostern 2020 die ersten Bewohner einziehen sollen. Etwas oberhalb befindet sich das Südamerikahaus, in dem u.a. Faultiere untergebracht sind. Leider haben diese sich sehr gut versteckt, also ging es weiter zu den Eisbären. Das erste Mal, dass ich diese majestätischen Tiere aus so geringer Distanz beobachten konnte. Natürlich sind dabei auch viele Fotos entstanden. Vorteilhaft war dabei auch die zu dieser Zeit stattfindende Fütterung. Im Übrigen sind sämtliche Fütterungszeiten direkt am Zooeingang aufgelistet.

Im weiteren Verlauf erreichen wir das Aquarium, ein Ort, der mich immer wieder fasziniert. Einige Tiere habe ich dort zum ersten Mal gesehen. In Augenkontakt mit einem Piranha zu sein, der gemächlich seine Bahn durch das Becken zieht, war auch für mich etwas ungewohnt. Auch die anderen Becken sind sehr liebevoll gestaltet und zeigen eine große Vielfalt. Mit etwas Glück und gutem Auge kann man auch die zahlreichen Schlangen in den Terrarien entdecken. Vor lauter Eindrücken wäre ich beinahe an den Pelikanen vorbeigerollt, die ihrem Nachwuchs die Gefiederpflege beigebracht haben. Das wäre allerdings sehr schade gewesen.

Jürgen und der PinguinSehr schön ist auch die Pinguinhalle. Besonders der Nachwuchs mit dem Plüschfell hat es mir angetan, dazu habe ich wohl bei einem kleinen Pinguin die Neugierde geweckt, während des Aufenthaltes blieb er in meiner Nähe und war als Fotomodel sehr geduldig. Wie gerne hätte ich ihn mit einem großen Fisch für seinen Einsatz belohnt. Kurz vor dem Erreichen des höchsten Punktes des Zoos präsentiert sich das Tigergehege, in dessen unmittelbarer Nähe ein Kiosk befindet. Den kurzen Regenschauer habe ich dann für eine Kaffeepause genutzt und bin dabei mit dem Inhaber ins Gespräch gekommen. Nochmals Dank für die netten Informationen aus Insidersicht. Nachdem die Sonne wieder zum Vorschein kam, stellten sich auch die Tiger in Pose, die dabei gemachten Bilder sprechen für sich. Wobei gerade für Rollstuhlfahrer ein Teleobjektiv dabei sehr hilfreich ist.

Unmittelbar danach erreichen wir den höchsten Punkt des Zoos, das Löwengehege. Dieser Anstieg stellt allerdings eine große Herausforderung dar, insofern sollte man sich tatsächlich überlegen, ob in diesem Fall der Mut zur Lücke nicht sinnvoll ist. In meinem Falle habe ich darauf verzichtet.

ElefantAb da geht es deutlich entspannter auf dem Rundweg weiter, es geht wieder kontinuierlich bergab in Richtung „Afrika“ und dem Elefantengehege. Bereits von weitem war das Trompeten des Nachwuchs zu hören, der mit wehenden Ohren durch das Gehege stürmte. Gedanken an „Jumbo“ waren da nicht fern. Unmittelbar danach begann das tägliche Training der Elefanten. Das habe ich in dieser Form auch noch nie gesehen und dabei auch völlig die Zeit vergessen.

Allerdings habe ich den Zoo hinsichtlich seiner Größe und des erforderlichen Zeitaufwandes etwas unterschätzt und bin daher in das unmittelbar am Elefantengehege gelegene Restaurant „Okavango“ eingekehrt. Dieses Restaurant ist sowohl von der Speisenauswahl als auch von seinem Ambiente etwas Besonderes, denn es ist sogar möglich von einem Fensterplatz den Elefanten zuzuschauen.

Unterhalb des Restaurants besteht die Möglichkeit mittels einer Rampe näher an das Gehege heranfahren zu können. Jedoch wurde dabei der Begriff barrierefrei etwas großzügig ausgelegt und der untere Bereich ist nur mit Schotter versehen. Insofern empfiehlt es sich, vor der Abfahrt nach jemandem Ausschau zu halten, der bereit ist, einen zu schieben und so den Rückweg entsprechend sichert.

AffenbabyAls letzte Station stand nun das Affenhaus auf dem Programm, auch hier hatte ich wieder Glück bei der Futtergabe anwesend zu sein. Zum Teil wurde das Futter in diversen Behältnissen versteckt, um die Geschicklichkeit der Affen zu fördern. Es war u.a. schön anzusehen, wie der Orang-Utan das Futter liebevoll mit seiner Partnerin geteilt hat, daran könnten sich manche Menschen ein Beispiel nehmen. Darüber hinaus war auch wieder niedlicher Nachwuchs zu entdecken.

Nun wurde es langsam Zeit für die Heimreise. Natürlich gibt es im Zoo noch viel mehr zu entdecken, die Tiere mögen es mir verzeihen, nicht alle beschrieben zu haben. Aber alle Erlebnisse zu beschreiben, würde definitiv den Rahmen sprengen und vielleicht auch etwas die Spannung bei eurer persönlichen Entdeckungsreise nehmen.

Für den Rückweg habe ich erneut die Schwebebahn genutzt. Tatsächlich hat es mir dieses Fortbewegungsmittel derart angetan, sodass ich auf dem Rückweg die gesamte Strecke bis zum Endpunkt und wieder zum Bahnhof zurück gefahren bin. Wann bietet sich schonmal die Gelegenheit, eine Stadt aus dieser interessanten Perspektive zu sehen. Dazu gewährleisten die hohe Taktrate und der Entfall von Staus, im Gegensatz zu Bus und Bahn, ein sehr entspanntes Fahren.

Fazit… s

icherlich kann man über einen Zoobesuch ausgiebig diskutieren, die Ansichten darüber sind sehr vielfältig, dennoch war es ein sehr abwechslungsreicher Besuch im Zoo, eingebettet in einer sehr schönen Landschaft. Jedoch wie bereits am Anfang angedeutet, ist der Ausflug ohne elektrischen Antrieb oder einer entsprechenden Schiebehilfe nicht zu schaffen, dafür sind die zu bewältigenden Steigungen definitiv zu steil.

 

Übrigens…

Die Tageskarte kostet 18,50 €, ist auf dem SBA ein „B“ eingetragen, so erhält die Begleitperson freien Eintritt. Der Zoo öffnet täglich ab 8:30 Uhr und schließt während der Sommerzeit um 18:00 Uhr, im Winter bereits um 17:00 Uhr. Die Behindertentoiletten sind im Zooplan vermerkt und befinden sich an der Tigeranlage, im Restaurant „Okavango“ und oberhalb der Arena am Kinderspielplatz. Weitere Informationen, auch über Sonderveranstaltungen findet ihr unter www.zoo-wuppertal.de.

Bis demnächst beim nächsten Ausflug…

Hans - Jürgen

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