Stolz zu katheterisieren

Gepostet von Mareike Lemme, 07.04.2020 12:24:00

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Nachdem Serena Green mit Ende dreißig erfahren hatte, dass sie für den Rest ihres Lebens katheterisieren muss, fühlte sie sich gedemütigt. Jetzt ist sie stolz darauf, katheterisieren zu können.  Aber bis dahin war es ein langer Weg und sie musste lernen dies zu akzeptieren, auch gegenüber ihrer Familie, Freunden und den Medizinern.Serena%20Green

Serena hatte jahrelang unwissentlich mit einer nicht diagnostizierten Blasenfunktionsstörung gelebt, und nur aufgrund eines MRT-Scans nach einem Bandscheibenvorfall im Rücken wurde das Problem festgestellt.

Das MRT zeigte, dass ich eine sehr große Masse in meinem Bauch hatte, die näher erforscht werden musste. Dann stellte sich heraus, dass ich eine ziemlich große Blase hatte, auf die ich nicht unbedingt stolz sein konnte. Die im Anschluss durchgeführten Untersuchungen ergaben, dass durch einen Bandscheibenvorfall einige Nerven in meiner Wirbelsäule beschädigt worden waren. Dadurch hatte ich völlig das Gefühl dafür verloren, wann es für mich Zeit wird zur Toilette zu gehen. Mein Körper hat das kompensiert, indem meine Beckenbodenmuskulatur, extrem ausgebildet ist.

Fakt ist, dass ich nicht weiß, wann ich zur Toilette gehen muss und selbst wenn ich es wüsste, ich könnte den Urin nicht ablassen.

Nach der Diagnose

Nach den urodynamischen Tests war Serena anfangs sehr befangen bei dem Gedanken, sich katheterisieren zu müssen. Sie erhielt die Option, sich etwas Zeit zu nehmen, um ihre Möglichkeiten zu prüfen.

Als mir gesagt wurde, ich hätte ein Problem mit meiner Blase, war ich absolut beschämt. Sie erwarten nicht, mit gerade einmal 40 Jahren zu erfahren, dass Ihr Körper irgendwie nicht richtig funktioniert und Sie in Gefahr sind, eine Dialyse zu benötigen. Es war wirklich ein entscheidender Moment für mich. Ich habe die Sache die ganze Zeit verdrängt und wollte es einfach nicht wahrhaben. Aber zwei oder drei Jahre später wusste ich, dass sich das Problem verschlimmerte. Ich konnte überhaupt keinen Urin mehr lassen. Ich fühlte mich sehr unwohl. Ich sah sehr aufgebläht und wirklich sehr übergewichtig aus. Also ging ich wieder zum Arzt und machte erneut urodynamische Tests mit einem liebenswürdigen Berater und einer fabelhaften Krankenschwester für das Blasenmanagement. Wir sprachen über die Möglichkeiten und ich wagte den Schritt und beschloss, mich selbst zu katheterisieren.

Es war kein einfacher Schritt. Ich fühlte mich gedemütigt, sehr verlegen. Und wie die meisten Menschen, die eine Veränderung mit ihrem Körper erleben, hatte auch ich meine Schwierigkeiten damit. Es war eine ziemlich schwierige Zeit und ich bin meinem lieben Mann sehr dankbar, dass er mich so unterstützt hat.

Die intermittiernde Selbstkatheterisierung (ISK) erlernen

Die Anleitung zur ISK dauert nicht sonderlich lange, aber die Katheterisierung dann selbst durchzuführen zu können kann ein längerer Prozess sein. Als ich anfing, mich selbst zu katheterisieren, war die Krankenschwester in meinem örtlichen Krankenhaus sehr geduldig mit mir, aber Sie befinden sich in einer fremden Umgebung. Ich war auf einer Krankenhausliege und sie zeigte mir, was ich tun sollte. Sie hatte eine klare Vorstellung davon, was ich tun musste und wie oft ich mich selbst katheterisieren sollte und schickte mich mit ein paar Kathetern nach Hause  und überließ mich mir selbst.

Natürlich war es bei mir zu Hause etwas völlig anderes als im Krankenhaus. Mein Rat an alle, die neu mit der ISK beginnen, ist, sich so schnell wie möglich in ihr eigenes Badezimmer zu begeben und so oft wie möglich zu üben. Natürlich möchten Sie nicht 100-mal an einem Tag selbstkatheterisieren. Tun Sie es einfach, wenn es erforderlich ist, aber nehmen Sie sich viel Zeit. Schließen Sie die Badezimmertür ab, damit die Kinder, die Frau, der Ehemann und die Haustiere nicht hereinkommen. Nehmen Sie sich einfach Zeit, um zu erfahren, wie Ihr Körper funktioniert und was für Sie am besten ist, wenn Sie einen Katheter verwenden.

Entscheidende Unterstützung

Serena war auf ihrem Weg den ISK zu erlernen nicht allein und sie ist voll des Lobes, für die, die sie auf diesem Weg begleitet haben. Ich habe mich gefühlt wie ein Sportler mit meinem Team um mich herum. Vor allem die Krankenschwestern waren immer für mich da und haben mir die Zweifel genommen. Diese Männer und Frauen beschäftigen sich jeden Tag mit ISK, und es ist normal für sie. Sie haben alles schon einmal gesehen, sie haben alles schon einmal gemacht, sie haben alle diese Fragen schon einmal gehört und beantwortet.

Neben dem Pflegepersonal gab es auf dem Weg noch einige andere wichtige Helfer für mich. Offensichtlich ist mein Mann fabelhaft. Wir machen viel Urlaub und er ist derjenige, der eine passende Toilette für mich findet. Er kennt meine hohen Ansprüche an Seife, saubere Handtücher und gutes Licht, deshalb weiß er worauf zu achten ist. Ich würde ihn ausleihen, wenn ihn jemand braucht!

In diesem ersten Jahr hatte ich einige schwierige Gespräche mit Freunden und Arbeitskollegen. Sie waren ein bisschen verlegen, aber es gab mir die Gelegenheit zu lernen, wie man mit Leuten über ISK spricht. Mit der Zeit haben mich diese Gespräche viel positiver und selbstbewusster in Bezug auf ISK gemacht. Wenn Sie anfangen, mit Menschen darüber zu sprechen, schämen Sie sich nicht mehr und ich bin sehr stolz darauf, mich selbst zu katheterisieren.

Beratung

Sechs Jahre nach ihrer Entscheidung, mit dem ISK zu beginnen, möchte Serena einige Ratschläge mit Frauen teilen, die mit der Katheterisierung beginnen. Ich bin sehr begeistert von der ISK, weil es mein Leben verändert hat und mir ein neues Körpergefühl gegeben hat. Ich möchte wirklich, dass alle anderen von dieser positiven Einstellung profitieren.

Trinken

Mein erster Ratschlag für alle anderen, die auf diese Reise gehen, ist, ausreichend zu trinken. Wir hören ständig über die Vorteile genügend Flüssigkeit zu sich zu nehmen und es ist besonders wichtig, wenn Sie sich selbst katheterisieren, da dies die Anzahl der Infektionen verringern kann.

Sei zuversichtlich

Mein nächster Rat ist, zuversichtlich zu sein. Ich denke, zu Beginn fällt es jedem schwer, weil er ein Problem mit seinem Körper hat, aber wenn Sie sich selbst katheterisieren, sollten Sie sich positiv fühlen. Seien Sie also zuversichtlich, bei dem was Sie tun. Vertrauen Sie mir, niemand sieht es Ihnen an, wenn Sie eine öffentliche Toilette benutzen!

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Themen: Mutmachgeschichten, Anwenderstory, Blasenfunktionsstörung